Zur gleichen Zeit, als die Römer im südöstlichsten Teil ihres Weltreiches, in Palästina, einige Unannehmlichkeiten mit einem Mann namens Jesus hatten, bereitete ihnen im nordwestlichsten Teil ein Germane, mit römischen Namen Arminius, bei uns seit jeher als Hermann der Cherusker bekannt, Angst und Sorge.
Hermann, dessen wahrer germanischer Name unbekannt ist, war der Sohn des obersten Cheruskerfürsten, über dessen Namen ebenfalls Unklarheit besteht.
Die Cherusker, ein größerer germanischer Volksstamm, der später in den Altsachsen aufging, lebten dort, wo die norddeutsche Tiefebene an die Weser- und Leineberge stößt. So berichtete uns der römische Geschichtsschreiber Tacitus, anerkannt zuverlässig. Dieses Gebiet des germanischen Siedlungsraumes war seinerzeit von den Römern mit wechselnder Durchdringung mehr oder weniger stark beherrscht.
Hermanns Vater hatte notgedrungen einen Beistands- und "Freundschaftsvertrag" mit den Römern geschlossen.
- Wir kennen solche Art Freundschaftsbeweise ja gut aus heutiger Zeit, wo die Machtbestrebungen des amerikanischen Weltreiches denen des römischen Weltreiches vor 2000 Jahren sehr ähneln. -
Zum Beweise der "Freundschaft" hatte Hermanns Vater seine beiden Söhne, nämlich Arminius (Hermann) und Flavus, mit Beinamen Blonder, wie damals üblich, als Fürstengeiseln in römische Hand gegeben. Hermann, als Offizier mit hohen römischen Würden ausgestattet, befehligte die cheruskerischen Hilfstruppen des römischen Heeres mehrere Jahre auf Feldzügen. Dann kehrte er nach dem Tode seines Vaters, nun als oberster Fürst der Cherusker, in die Heimat zurück. Der jüngere Bruder Flavus, inzwischen überzeugter Römling, im Kampf ein Auge verloren, blieb in römischen Diensten.
Hermann, besonders durch seine Mutter vom heiligen Recht des Vaterlandes überzeugt, war von der ererbten Freiheit und den Göttern des innersten Germaniens durchdrungen. Er bereiste nun die deutschen Lande und rief heimlich zur Erhebung auf, denn die Wut auf die Besatzer wegen der Einführung von Steuern und römischen Recht quoll über. An den Vertrag, der auf dem Namen seines Vaters fußte, war Hermann nicht mehr gebunden. Varus, den Stadthalter Roms in Germanien, an dessen Tafel er als ehemaliger römischer Ritter oft saß, wiegte er in Sicherheit. Selbst Segest, Hermanns Schwiegervater, wohl auch ein Fürst der Cherusker, aber überzeugter Römling, der Varus vor Hermann warnte, konnte die Sorglosigkeit des Varus nicht erschüttern. Mit Segest war Hermann schwer zerstritten, denn er hatte dessen Tochter Thusnelda entführt, gegen Segests Willen geheiratet und mit ihr den Sohn Thumelicus.
Die Hermannschlacht brach nun im Jahre 9 nach Christi, also vor genau 2000 Jahren, aus. Höchstwahrscheinlich in der Vollmondnacht vor dem 23. September, der Tag- und Nachtgleiche. Dieser Zeitpunkt konnte von langer Hand geplant werden und war unverdächtig, da es Sitte war sich dann zu versammeln. Es ist fraglich, ob wir jemals Sicherheit über den Ort der Schlacht gewinnen. Ob am heutigen Hermannsdenkmal, in Kalkriese, in Horn oder im Raum Hildesheim.
Die Schlacht hat im Cheruskerland stattgefunden und Hermann hat gesiegt, also die Hermannschlacht und nicht die Varusschlacht. Germanien rechts des Rheins behielt seine Freiheit, seine Sprache, sein Recht und seinen Glauben. Ohne diesen Sieg hätten wir keine deutsche Kultur und auch kaum eine nordgermanisch-skandinavische.
Vieles in unserer Umgebung deutet auf diese Geschehnisse hin. Hermann sprach oft vom innersten Germanien. Die Innerste durchfließt Hildesheim. Der Hildesheimer Silberfund ist römisch und kann nur eine Beute dieser Zeit sein. Der Name des Dorfes Segeste ist gleich dem Namen Segest, dem Schwiegervater Hermanns. Ebenfalls im Raum südlich Hildesheims liegt der Ort Irmenseul, gleich geschrieben und gesprochen mit dem germanischen Heiligtum Irminsul, wovon ein Teil jetzt noch im Hildesheimer Dom zu finden ist.
Die Hermannschlacht war nicht das Ende der Kämpfe. Die Römer kamen noch mehrmals wieder, sogar mit Schiffen über die Nordsee und dann die Ems und Weser hinauf. Hermann trat ihnen immer entgegen, zuletzt auf den Weserwiesen im Raum Hameln/Rinteln. Wenngleich nicht immer als Sieger, so fügte Hermann den Römern so hohe Verluste zu, daß Kaiser Tiberius, der Nachfolger des Augustus, welcher letztere noch den Schrecken des Jahres 9 erlebt hatte, den Plan der Eroberung Germaniens gänzlich aufgab und seinen Feldherrn Germanicus, einen Sohn des Drusus, nach Rom zurückberief. Dieser münzte seinen Misserfolg in einen großen Triumphzug in Rom um, bei dem auch Thusnelda und Thumelicus in Anwesenheit von Segest vorgeführt wurden, welches man aus den alten Nachrichten fassungslos vernimmt.
Die Cherusker und später auch die Altsachsen hatten als Führer keinen König, sondern einen Herzog, der nur zu einem Heerzug vom Volk mit Macht ausgestattet wurde. Die Markomannen, Urväter der Bayern, aber hatten einen König mit Namen Marbod, der schon vor den Cheruskern gegen die Römer kämpfte, aber bei der Hermannschlacht und danach seinen Beistand versagte. Gegen ihn kämpfte dann Hermann noch zur Zeit als Germanicus seinen Triumphzug in Rom durchführte; leider ein Bruderkrieg. Hermann wurde nun vorgeworfen, er wolle sich zum König aufschwingen, was zu inneren Streitigkeiten führte, in deren Verlauf Hermann etwa im Jahre 20 in seinem 38. Lebensjahr von Verwandten ermordet worden sein soll. Die ewige Uneinigkeit der Germanen tritt hier klar hervor und wird nirgendwo deutlicher, als in dem berühmt, berüchtigtem Streitgespräch Hermanns mit seinem Bruder Flavus vor Beginn der letzten Schlacht über die Weser hinweg, wo sie sich gegenseitig der Untreue bezichtigten. Der eine Bruder der Untreue gegen die Staats- und Besatzungsmacht Rom, der andere Bruder der Untreue gegen die Götter des innersten Germaniens und gegen die eigene Mutter als Wahrerin der alt überlieferten Sitten und Gesinnung.
Tacitus zieht den klaren Schluß: "Arminius (Hermann) war ohne Zweifel Befreier Germaniens, der nicht wie andere Fürsten und Feldherren das römische Volk in dessen Anfängen anging, sondern die Weltmacht auf der Höhe ihrer Macht. In Schlachten von wechselndem Glück, im Kriege unbesiegt. 37 Jahre des Lebens, 12 Jahre der Macht erlebte er. Er wird besungen bis heut' bei den germanischen Völkern."